Wer wir sind und was wir tun

Das Netzwerk zur Verbreitung der Blindennotenschrift wurde vor 17 Jahren zu einer Zeit gegründet, als es in Deutschland keine Notenschriftübertragung gab. Die traditionellen Übertragungsstellen Hannover (VZFB) und Leipzig (DZB) hatten die Notenproduktion bis auf Weiteres eingestellt. Die im Berufsleben stehenden Kollegen mussten sich die Noten entweder per Hand übertragen oder auf die teilweise schon sehr veralteten Lagerbestände zurückgreifen.

Natürlich musste zur Gewährleistung der Teilhabe am musikalischen Leben schnellstmöglich wieder eine Notenproduktion etabliert werden. Deshalb wurde unter dem Dach des DVBS das Netzwerk zur Verbreitung der Blindennotenschrift mit der Zielsetzung gegründet, die Notenschriftproduktion wieder zu beleben und fest in die Medienversorgung des deutschen Blindenwesens zu integrieren.

Dank des Engagements einiger Gründungsmitglieder kam auch bald wieder Bewegung in die brachliegende Blindennotenschriftlandschaft, und es entstanden Notenübertragungsstellen zunächst in Wernigerode und dann in Leipzig. Letztere ist heute eine der beiden großen Notenübertragungsstellen im deutschsprachigen Raum.

Mittlerweile gibt es wieder eine gut funktionierende Notenübertragung in Deutschland, an deren Etablierung wir, nicht ganz ohne Stolz, maßgeblich mitgewirkt haben.

Es ging uns aber nicht nur um die reine Übertragung, sondern auch um eine Vernetzung zwischen Notennutzern und Notenproduzenten. Diese findet mittlerweile entweder online, oder auch ganz undigital "face to face" statt. Einmal jährlich treffen wir uns zu einer gemeinsamen Tagung und besprechen sämtliche notenrelevanten Themen.

Eine weitere Aufgabe des Netzwerkes besteht in der Beratung von Inklusiv-Schülern und deren Lehrern, die die Blindennotenschrift in der Regel nicht beherrschen bzw. sie gar nicht kennen und ihre Schüler folglich ausschließlich nach Gehör unterrichten.

Wir halten eine systematische und fachlich kompetente Integration der Blindennotenschrift in den Instrumentalunterricht für äußerst wichtig. Schließlich lernt jeder sehende Schüler im Laufe des Instrumentalunterrichtes selbstverständlich die normale Notenschrift und kann ohne vorspielende Assistenz Musikstücke einstudieren. Warum also sollte ein blinder Schüler nicht die gleichen Voraussetzungen und Möglichkeiten des selbstständigen Musizierens haben? Natürlich wissen wir, dass die Arbeit mit einem blinden Schüler für einen sehenden Instrumentalpädagogen ohne Vorkenntnisse eine große Herausforderung ist, die ohne fachkundige Hilfe von blindentechnisch erfahrenen Kollegen kaum zu bewältigen ist. Deshalb beraten wir gern und haben für alle relevanten Fragen zum Thema ein offenes Ohr. Unsere Mitglieder arbeiten in unterschiedlichen Berufen und nutzen die Blindennotenschrift täglich.

Auch auf politischer Ebene sind wir bemüht, blinden und sehbehinderten Musikern in Ausbildung und Beruf eine optimale Teilhabe zu ermöglichen. Zu diesem Zweck haben wir eine Resolution an die Kultusminister-Konferenz verabschiedet, die auf den Seiten des DVBS gelesen und heruntergeladen werden kann.

Wir erhoffen uns Verbesserungen hinsichtlich der Blindennotenschriftausbildung an den Schulen und einen konstruktiven Dialog mit politischen und pädagogischen Entscheidungsträgern.

Wir freuen uns auf Ihre Fragen, Anregungen, jede Art der Kontaktaufnahme und ganz besonders über Zuwachs.